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Wie die Sardinen den Atlantik überquerten

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Mitte des 20. Jahrhunderts noch machten die enormen Preise für Tickets das Flugzeug zu einem Reisemittel, das nur Wohlhabenden oder Geschäftsreisenden zustand. Im Mittelpunkt standen luxuriöser Komfort und Service. Demgegenüber zeigen sich die “Billigflieger” von heute als Hort mindestens einmal im Jahr in den Süden ziehender Proletarier. Wer steckte hinter dieser Entwicklung, die dem Flugzeug jeden Hauch von Exklusivität raubte?

Der Flugreisenmarkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bestimmt von Regulierungen und Absprachen zwischen Staaten und Fluggesellschaften. Die großen “Flaggenträger”-Fluglinien organisierten sich international, um Flugrouten unter sich aufzuteilen und Preise zu vereinheitlichen. Um Kunden für sich zu gewinnen verblieben den Fluganbietern somit nur noch stetige Verbesserungen in Kabinenausstattung und Service. Diese reichten von der Einrichtung vollwertiger Waschräumen, über abgetrennte Schlafkabinen bis hin zu Bars mit Club-Atmosphäre an Bord.

Die Aufteilung von Rechten für bestimmte Flugrouten, die Preisabsprachen, sowie die hohen Servicekosten bedeuteten, dass das Gros der Fluggesellschaften kaum Gewinn erwirtschafte. Dies stieß insbesondere dem Vorstandsvorsitzenden der VS-Amerikanischen Fluglinie “PanAm”, I. Hubgear, sauer auf. Er bemerkte, dass seit Beginn der 1950er Jahre durch Fortschritte bei den Packverfahren der Raum in Frachtflugzeugen effizienter genutzt und somit größerer Umsatz generiert werden konnte. Hubgear folgerte, dass eine effizientere “Verpackung” für Fluggäste, sprich eine dichtere Bestuhlung in der Flugzeugkabine, auch seiner Fluggesellschaft mehr Geld bringen konnte. Mit der Drohung, er werde die internationale Organisation der Fluglinien (IATA) verlassen, drängte er diese 1958 dazu, die heute bekannte “Sparsamkeitsklasse” erstmals für Kunden anbieten zu dürfen.

Nach seinem ersten Flug mit einem Ticket dieser neuen, unteren Preiskategorie titulierte ein Journalist im Fachmagazin Aviatic, er habe sich “wie eine Sardine über dem Nordatlantik” gefühlt. Damit spielte er nicht auf das mit der neuen Sparsamkeitsklasse deutlich reduzierte Essensangebot, sondern die Bedrängnis des limitierten Platzangebots an. Dieser Kritik zum trotz gab “der Markt” Hubgear und PanAm recht: Fluggäste, darunter vermehrt Freizeitreisende, nahmen das Angebot überaus gut an. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Flugpassagiere markant.

Doch dieser Erfolg reichte I. Hubgear noch nicht: Dem Journalisten, der seine Idee so missbilligt hatte, wollte er noch persönlich eins auswischen. Nach der Parole “Du bist, was du isst.” brachte er die Fluggesellschaften der IATA dazu, in einem vereinheitlichten Essensangebot im Flugzeug nur noch belegte Brote mit Ölsardinen zu servieren. Zwar ist nicht statistisch festgehalten, inwiefern mit diesem Umstand ein Anstieg an Fällen von Reisekrankheit im Flugzeug verbunden ist, jedoch wurde es in den folgenden Jahren zur Regel, dass Spuckbeutel an den Sitzen angebracht wurden. Einzelne Vorstöße anderer Fluglinien, diese Regelungen zu umgehen, und der damit verbundene Disput sind als “Sandwich-Krieg” in die Fluggeschichte eingegangen.


Sehr geehrte Leser, dies ist ein Beitrag von Dr. U.N. Wissentlich:

Dr. U.N. Wissentlich: Fachbereich Guido Knopp und Geschichte

Als junger Mann begann Dr. Wissentlich mit dem Studium der rechenmaschinengestützten Ingenieurswissenschaften.

Jedoch befiel ihn rasch die Einsicht, Wahrhaftigkeit und die Antwort zur Frage nach dem Sinn des Lebens könne nicht von einer Rechenmaschine ausgespuckt werden.
Von da an durchforstete er die Geschichtsbücher nach wahrhaftigen Erkenntnissen für sich und die Leserschaft des Wissenschaftsnewsletters. Sein immerwährendes Studium versetzt Dr. Wissentlich weiterhin in die Lage, neu entdeckte Redlichkeiten aus der Vergangenheit ans Licht zu fördern und mit dem wissenschatshungrigen Volk zu teilen.

Seine Hobbies sind: Historische Anekdoten bis zur Unkenntlichkeit ausschmücken und vor seinem Fenster vorbeifahrende Autos zählen. Sein Lieblingsgetränk ist: Isotonisch

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Drr. RedlichPraeceptor Germaniae Letzte Kommentartoren
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Nur zur Vervollständigung darf ich darauf hinweisen, daß Stephen Hawking in seinem Werk “Eine kurze Geschichte der Zeit” (1988) bereits auf die gegensätzliche, sich aufhebende Korrelation zwischen der Lebenszeitverkürzung durch das Essen in Flugzeugen und dem Lebenszeitgewinn aufmerksam machte, welcher durch die Zeitdilatation bedingt auftritt, falls man von West nach Ost fliegt. Ohne diese und die Erwähnung des Hafele-Keating-Experimentes ist dieser U.N. Wissen-Schaftliche Beitrag m. E. noch weniger Wert als ein Sardinenbrot, welches in den 60er Jahren zwischen die Aeroplan-Sitze gerutscht ist – um den Humor des Wissenschaftsnewsletters einmal in satirisch übertriebener Weise zu karrikieren.

Dr. Redlich
Admin
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Ich möchte hier noch einmal eine persönliche Empfehlung aussprechen: Wenn Sie schon unbedingt fliegen müssen (bei der Bahn gibt es sogar echtes Brot und nicht diese VS-Amerikanischen Weißbrotfeinstaubfilter), fliegen Sie auf keinen Fall mit einer Billigairlinie wie Ryanair (das ultimative Ergebnis der im Artikel beschriebenen dichteren Verpackung von Menschen) von West nach Ost.

Der Zugewinn an Lebenszeit (und der Mangel an jeglicher Verpflegung oder gar Sardinen) an Board einer solchen Maschine ist eine solche Qual, dass Sie sich wünschen werden die Relativitätstheorie sei niemals erfunden worden. Und das wäre wirklich schade!

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