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Swingtime for Hitler

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Er zeigte sich wenig begeistert: Winston Churchill.

Weltweit lassen sich beim Stöbern auf Flohmärkten Schallplatten der Band “Charlie and his Orchestra” finden. Was als gewöhnliches Jazz-Album erscheinen mag, hat jedoch reichlich verstörendes Material zu bieten.

Die Lieder scheinen zuerst vertraut: Berühmte Jazz-Hits aus dem angelsächsischen Raum aus den 30er und 40er Jahren. Doch der Text ändert sich nach dem ersten Refrain: Zum Klang des Liebeslieds “Daisy” verhöhnen bissig sarkastische Texte Churchill und Roosevelt: “Frankie, Frankie, the Germans are driving me nuts, from Narvik down to Egypt they took all my landing spots.”:

Ausschnitt aus dem Song “Daisy”

Der Sänger, “Charlie”, ist in Wirklichkeit der deutsche Jazzmusiker Karl Schwedler und bei den Liedern handelt es sich um ein Produkt der deutschen Propaganda.

Goebbels und sein Reichspropagandaministerium produzierten diese Jazzmusik. Die Musiker, auch wenn sie nicht immer ganz freiwillig mitwirkten, zogen “den Dienst an der Gitarre ” dem Wehrdienst natürlich vor – zugleich konnten Sie weiterhin die Musik machen, die in Nazideutschland eigentlich schon längst streng verboten war.

Gesendet wurde diese Musik im Rahmen des über Kurzwelle weltweit ausgestrahlten Programms „Germay Calling“, moderiert von der Figur des „Lord Haw Haw“. Zwar richtete sich die Sendung vor allem an die angelsächsische Bevölkerung, ausgestrahlt wurde diese jedoch in bis zu 30 Sprachen. Diese „Front im Äther“ wurde von etwa 500 Mitarbeitern im Propagandaministerium mit Nachschub versorgt.

“Germany Calling”

Die Musik war bei britischen Hörern, trotz der brutalen und manipulativen Propaganda, durchaus beliebt: Die Band bestand aus hoch angesehenen und talentierten Jazzmusikern – der Schlagzeuger wurde gar als bester Jazzschlagzeuger in Deutschland angesehen.

Die Produktion der geschätzt 200 (heute auch auf CD erhältlichen) Titel mit makarberen Texten wie “Lets go Bombing” wurde wegen der Bedrohung durch Luftangriffe 1943 von Berlin nach Stuttgart verlegt und endete dort am 6. April 1945, einen Tag nach der letzten Aufnahme, abrupt mit der Sprengung des Aufnahmestudios durch die SS.


Der WNL empfiehlt hierzu diesen sehr guten Radiobeitrag von den Kollegen des SWR:
Goebbels‘ Swing-Band.

Charlie and his Orchestra – Daisy auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=P-D5sspwi-8

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